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Das "Nil admirari" der Philosophie wird einmal gründlich widerlegt durch die Leistungen des Herrn Dase im Gebiete des Zeichen- und Zahlengedächtnisses, von denen der Unterzeichnete mehrmals Zeuge zu sein das Vergnügen hatte. Hier verhalten sich Mathematiker zu einer Thatsache des Geistes, die man nicht begreifen, nur erfahren kann, wie Kinder, welche mühsam buchstabiren gegen den Sprachkünstler Mezzofanti. Lässt er uns auch einen Blick in seine Methode thun, so können wir doch der erstaunlichen Schnelligkeit nicht folgen, mit welcher er 10 steilige Zahlen zu einem Produkte verwebt, oder ein Produkt wieder entwirrt in der Division benannter und unbenanuter, ganzer und gebrochener Zahlen, und dem Ausziehen von Quadrat- und Kubikwurzeln. Wie wir andere z. B. das Wort "Anschaulichkeit" mit einem Blicke lesen und alle Buchstaben und deren Aufeinanderfolge vor- und rückwärts kennen, so braucht Herr Dase eine 12 stellige Zahl nur anzublicken, um sie sogleich auf der schwarzen Tafel seines Gedächtnisses angeschrieben zu sehen, und vor- und rückwärts die Ziffern hersagen zu können. Ja dieses Gedächtniss behält 65 stellige Zahlen, wenn sie durch Rechenoperationen vor ihm entstanden sind, und giebt sie, wenn man darnach verlangt, zu jeder Zeit wieder, wenn auch das Mannigfaltigste dazwischen seine Thätigkeit in Ansprach genommen hatte. Unmittelbare Anschauung und wunderbare Fertigkeit in vermittelter Thätigkeit durch eigenthümliche Methoden sind hier vereinigt. Und diese Thätigkeit geschieht ohne Anstrengung, ist unverkennbar ein mit Lust verbundenes Spiel des Geistes, der in einem frischen, gesunden und kräftigen Körper wohnt, der damit ein anspruchloses Benehmen verbindet, was ihm sogleich die Herzen aller Anwesenden gewinnt, die auch darin ihre Erwartung übertroffen finden, dass sie sich aufs Interessanteste unterhalten und die kürzeste Stunde gehabt haben.

Möchte Herr Dase seine unerhörte Kraft bald im Dienste der Wissenschaft gebrauchen können, und sich dann seiner Rundreise nur darum freuen, dass er sich auf derselben viele Freunde und dankbare Verehrer erworben, zu denen sich auch zählt
Carlsruhe, den 3. Juni 1846.
Stieffel,
Professor an der polytechnischen Schule.


Herr Zacharias Dase hat die Gefälligkeit gehabt, in meiner Wohnung neue Beweise seiner ausscrordeutlichen Gaben abzulegen. Wenn schon seine Leistungen im Kopfrechnen alles bisher Bekann'e hinter sich lassen, so muss doch die Art seiner augenblicklichen Auffassung zahlbarer Gegenstände noch als unerklärlicher erscheinen. Es scheint





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hierbei eine geistige Eigenschaft thätig zu sein, für welche es an einer entsprechenden Bezeichnung mangelt und über welche dalier nach Herr Dase selbst nicht Rechenschaft abzulegen im Stande ist. Diese Thatsache gehört wohl zu den merkwürdigsten auf dem gesammten Gebiete der Seelenkunde.

Carlsruhe, den 4. Juni 1845.
Radowitz,
Königl. Preuss. Gesandter.


Durch die Darstellungen, welche Herr Dase im Saale der Lesege-sellscbaft, deren zeitiger Vorstand zu sein ich die Ehre habe, gegeben hat, sind die gegenwärtigen Mitglieder belehrt worden, dass der an das Mährchenhafte grenzende Ruf, welcher ihm vorausgegangen ist, welt von Uebertreibung entfernt war. Es hat sich vielmehr abermals beurkundet, dass Worte nicht hinreichen, den Eindruck zu schildern, den die Leistungen des Herrn Dase hervorbringen. Auch hei uns hat sich jeder von Bewunderung hingerissen gefühlt, und den Schauer empfunden, den das Bewusstsein erregt, sich einem Wesen gegenüber zu sehen, dem übernatürliche Gaben verliehen sind.

Unerklärlich scheinen die Leistungen des Herrn Dase zu sein. ta geheimnissvoller indessen die Wirkungen der Natur sind, desto mehr fühlt sich der Denkende versucht, den Schleier zu heben, um auch nur einen Blick hinter denselben zu thun, möge er noch so flüchtig sein, ist eine hohe Belohnung für denselben.
Man hat geglanbt, die Leistungen des Herrn Dase besonderen geheimnissvollen Kräften zuschreiben zn müssen. Ich kann ais Mathematiker dem poetischen Gedankenflug nicht folgen, der in dem Vorhergehenden vielfach bemerkt wird; sondern fühle mich als solcher versucht, bei der Erklärung von den einfachsten Voraussetzungen auszugehen.
Es lässt sich nämlich nicht in Abrede stellen, dass Jeder mit einem so ins Immense wie bei Herrn Dase gesteigerten Zahlengedächtniss allein, bei gehöriger Uebung, die gleichen Aufgaben endlich im Kopfe zu lösen im Stande wäre. Um aber in der Zeit gleichen Schritt mit ihm halten zu können, müsste mit dem Gedachtes dieselbe Beweglichkeit des Geistes verbunden sein.
Ein hohes Interesse müsste eine ausführliche Vergleichung der Leistungen des Herrn Dase vermitteist Maass und Zahl mit denen anderer Menschen gewähren. Wenn eine solche bei den vorhandenen maugelhaften Daten nur äusserst dürftig ausfallen kann, so dürfte sie doch einst ohne alles Resultat sein.